Rezension: Hans Huckebein. Der Unglücksrabe

Gute Kinderbücher unterhalten jung und alt zugleich. Das ist ein offenes Geheimnis. Eines dieser Bücher könnte die Neuausgabe von Wilhelm Buschs „Hans Huckebein: Der Unglücksrabe“ mit Bildern von Jonas Lauströer sein. Oder?

Schön, dass auch heute noch betagtere Werke wie Wilhelm Buschs mittlerweile gemeinfreie, also spätestens 80 Jahre nach dem Tod des Autors nicht mehr dem Urheberrecht unterliegende, Gedichte für Kinder neu aufgelegt werden. Noch schöner ist es, dass sie zugleich völlig neu bebildert werden. Die jüngst in der „minedition“ erschienene Ausgabe mit Bildern von Jonas Lauströer ist ein imposantes Werk geworden.

Das Gedicht erzählt die Geschichte vom frechen Raben „Hans Huckebein“, der ganz im Stil von Max&Moritz sich von einem Streich zum nächsten hangelt, um letztlich einem moralischen Ende zum Opfer zu fallen. Die ursprünglichen Bilder aus der Feder von Wilhelm Busch sind heute allenfalls niedlich. Die Neu-Bebilderung dagegen ist packend und lässt zuweilen das eigentliche Gedicht Buschs in den Hintergrund treten. Lauströers Bilder illustrieren hier nicht, sondern nehmen das Gedicht vielmehr als Anlass für den Aufbau einer bildgewaltigen Geschichte. Dunkle Farben und eine lebhafte Struktur zeigen lebendige Nahaufnahmen einer sich zuspitzenden Tragödie. Die Bilder haben zuweilen eine Qualität, auch gerahmt an die Wand gehängt zu werden.

Man ist sich unklar, ob Lauströers Bilder das Gedicht Buschs wirklich illustrieren oder doch konterkarieren. Das Gedicht stellt den Raben als Bösewicht dar, der den Tod verdient hat. Dabei ist er offenkundig nur auf der Suche nach Fressen und verteidigt sich gegen Tier und Mensch. Lauströers Bilder greifen die Wortgewaltigkeit Buschs auf und setzen die Brutalität der Worte in Szene. Hier kommt man nicht umhin, das feiste Kind nicht zu mögen und den Raben in seinem ungeschickten Ende zu bedauern. Dieses Wechselspiel zwischen Wort und Bild macht die Neu-Ausgabe auch zu einer Neu-Interpretation.

Doch das alles klingt so gar nicht nach einer Kinderbuch-Rezension und das ist kein Zufall:  Das Buch ist vieles: Imposant, spannend, schrecklich-schön. Eines aber ist es nicht: Ein Kinderbuch. Spätestens das brutale Ende des Raben mit seiner Mischung aus schwarzen Federn und blutroten Fäden ist ein Bild, dass man selbst als Erwachsener so schnell nicht vergisst. Das ist gut, aber für ein Kind zu viel. Als Geschenk für einen Erwachsenen ein Geheim-Tipp.

Das Buch kann erfreulicherweise auf der Verlagsseite vollständig durchgeblättert werden.

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