Rezension: Böse Mütter

„Bin ich eine gute Mutter?“ Im Laufe der Mutterschaft stellt sich wohl jede Frau irgendwann einmal diese Frage – und es gibt so viele Situationen, in denen diese Frage gestellt werden kann: Sei es, weil man schon nach kurzer Zeit in den Beruf zurück kehrt oder weil man sich bewusst dagegen entscheidet. Sei es, weil man seinem Kind Schokolade gibt oder ihm diese vorenthält und nur Trockenfrüchte anbietet. In einer Gesellschaft, in der es so viele Möglichkeiten gibt, fällt es manchmal schwer, seinen Weg zu finden und zu entscheiden, ob er nun gut oder böse ist. Ayelet Waldman, ehemalige Strafverteidigerin und Mutter von vier Kindern, geht in ihrem Buch „Böse Mütter: Meine mütterlichen Sünden, großen und kleinen Katastrophen und Momente des Glücks“ der Frage nach, warum es so schwer ist, eine gute Mutter zu sein.

Ayelet Waldmans Lebenslauf könnte der einer emanzipierten Frau sein: Als Tochter einer Feministin aus den 70ern hat sie Jura an der Harvard Law School studiert, erfolgreich als Anwältin und Pflichtverteidigerin gearbeitet. Sie heiratete den erfolgreichen Autor und Pulitzer-Preisträger Michael Chabon und bekam vier Kinder. Doch auch sie stellte sich die Frage danach, ob sie eine gute Mutter sei und gab ihren Job auf, weil sie zunächst neidisch war auf ihren Mann, der sich dem Haushalt und den Kindern widmete, und sie dann das schlechte Gewissen ihren Kindern gegenüber nicht mehr aushielt. In einem Interview in der New York Times sagte sie, dass sie ihren Mann mehr lieben würde als ihre Kinder – und löste damit eine Welle unterschiedlichster Reaktionen aus, die den Grundstein für das Buch „Böse Mütter“ lieferten.

Ayelet Waldman berichtet auf 183 Seiten von Problemen, wie sie viele Mütter kennen: dem Balanceakt zwischen Beruf und Familie, von Liebe und Sexualität, Erziehungsfragen und -fehlern. Klar wird dabei, dass bei allem Bemühen um Emanzipation in den letzten Jahrzehnten kein neues Mutterbild entstanden ist, denn noch immer wird von Müttern eingefordert, dass sie sich um Kinder und Haushalt kümmern – auch wenn sie voll erwerbstätig sind. „Mütterpolizei“ nennt Waldmann die Frauen, die besonders auf die Einhaltung der tradierten Mutterrolle achten und sich vehement mit erhobenem Zeigefinger gegen alle wenden, die aus dieser Rolle fallen. Ihrer Meinung nach liegt diesem Verhalten zugrunde, dass es eben einfach ist, den Finger auf die Wunden der anderen zu legen und sich dabei selbst aufzuwerten: So schlimm wie die anderen ist man eben doch nicht…

Ayelet Waldman geht in ihrem Buch „Böse Mütter“ ihrer eigenen Geschichte und ihren Erfahrungen nach. Der Leser erfährt von der feministischen Erziehung durch ihre Mutter, von sexuellen Eskapaden in der Jugend, dem Kennenlernen ihres Mannes, der Geburt der Kinder und all den Problemen, die sich der jungen Mutter stellten – inklusive einem Bericht über die Abtreibung ihres als chromosomal geschädigt diagnostizierten Kindes. „Böse Mütter“ ist das Buch einer Strafverteidigerin, die sich hier selbst verteidigt gegenüber all jenen, die sie als eben solche bezeichnen. „Es ist, als würde sich die Schwimmerin Tracy Caulkins mit ihren drei Olympiasiegen und fünf Weltrekorden dafür geißeln, dass sie langsamer schwimmt als die kleine Mehrjungfrau. Ich kenne ausschließlich Mütter, die das Gefühl haben, nicht mithalten zu können.“ erklärt Waldman und beschreibt damit auch, was sie selbst zu diesem Buch angespornt zu haben scheint. Bei aller Ehrlichkeit fehlt dabei jedoch etwas Tiefe, weil Wut und Selbstverteidigung in den Vordergrund geraten. Doch eine übermittelte Nachricht sollten wir uns dennoch zu Herzen nehmen: Mutterschaft ist heutzutage sehr individuell und wir sollten den Weg respektieren, den sich jede Mutter auswählt – auch wenn er nicht unserem Weg entspricht.

Gesamturteil:Böse Mütter“ reiht sich ein in das noch recht neue Genre der „Mütterromane“. Ayelet Waldman bringt dabei keine neuen Erkenntnisse hervor, beschreibt aber kurzweilig die amerikanische Diskussion um die „gute Mutterschaft“.

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