Rezension: Wieviel Mutter braucht ein Kind?

In Hinblick auf die Mutterschaft hat sich in den letzten Jahren viel verändert. Nachdem heute viele Eltern nach 12 bzw. 14 Monaten wieder in den Arbeitsalltag zurück kehren – wenn nicht sogar schon früher-, stellen sich viele Paare die Frage: Wieviel Mutter braucht mein Kind eigentlich? Ist es notwendig, dass das Kleinkind rund um die Uhr von der eigenen Mutter betreut wird oder kann diese Aufgabe auch von anderen übernommen werden? Kann eine bezahlte Betreuungsperson sich überhaupt liebevoll um das Kind kümmern? Welche Chancen, aber auch welche Risiken tun sich auf, wenn ein Kind von anderen Personen außer Mutter und Vater betreut wird? Antworten auf diese und viele weitere Fragen gibt Lieselotte Ahnerts Buch „Wieviel Mutter braucht ein Kind?: Bindung-Bildung-Betreuung: öffentlich und privat„.


Lieselotte Ahnert, Professorin für Angewandte Entwicklungspsychologie an der Universität Wien, ist Expertin in Sachen Bindungsforschung und beschäftigt sich seit Jahren mit der Erforschung des Einflusses der Tagesbetreuung auf die soziale und emotionale Entwicklung des Kindes. In Ihrem 334 Seiten starkem Buch „Wieviel Mutter braucht ein Kind?: Bindung-Bildung-Betreuung: öffentlich und privat“ betrachtet sie das viel diskutierte Thema um Nützlich- oder Schädlichkeit der Kindertagesbetreuung aus der Sicht des Kindes. Dabei zieht sie nicht nur Erkenntnisse der psychologischen Forschung mit ein, sondern verwebt ebenso anthropologisches, pädagogisches und neurologisches Wissen zu einem umfassenden Bild über die vielen Möglichkeiten, ein Kind zu betreuen. Sicher ist nämlich, dass es kein Patentrezept für die Kindertagesbetreuung gibt sondern es vielmehr darauf ankommt, vorhandene Ressourcen einzubeziehen und sorgfältig auszubalancieren. So kommt Ahnert zu dem Schluss, dass sowohl die ausschließlich mütterliche als auch eine ständig wechselnde anderweitige Betreuung negative Auswirkungen haben kann. Wichtig ist eine ausgewogene Balance und insbesondere ein gutes Miteinander der betreuenden Personen – sowohl in der öffentlichen als auch privaten Betreuung.

Lieselotte Ahnert hat die Informationen rund um die Entwicklung der Bindung, Mutterliebe, Vaterschaft und Kinderbetreuung auf leicht verständliche Art kompakt zusammen getragen. Viele ihrer Vorträge und Veröffentlichungen zu diesem Thema haben sich in den Grundlagen hier zusammen gefunden. Dabei gelingt es ihr, ein sehr emotional aufgeladenes und gesellschaftlich polarisierendes Thema neutral darzustellen. Auf diese Weise ergibt sich ein Buch, das sowohl für Fachpersonal wie auch Eltern viele interessante Inhalte bietet.

Gesamturteil: Lieselotte Ahnert kann zwar keine Antwort dafür anbieten wieviel Mutter jedes einzelne Kind benötigt, doch gibt sie Eltern und Fachleuten alle wichtigen Informationen, um selbst abwägen zu können. Ein absolut lesenswertes Buch für alle, die sich mit dem Thema Kindertagesbetreuung beschäftigen.

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